Memphis

New Kids On The BlockStell dir vor, es ist Mittwoch und Du bist in Memphis. Der Tour Guide sagt, der beste Platz ist das „Rum Boogie Café“ in der Beale Street. Dort hängen hunderte Gitarren von den Stars die im Laufe der Jahre hier gespielt haben. Von Santana bis New Kids On The Block. Die interessanten Abschnitte der Beale Street erstrecken sich über zwei Blocks. Zwischen dem Club von B.B. King und dem Rum Boogie sind mir neben diversen Läden für Musik- und andere Spezial-Interessen und einigen Restaurants an diesem Februar-Abend hoch drei weitere Läden aufgefallen, in denen Musik zu laufen schien. Nach einem gegrillten Catfish bin ich langsam die Runde gegangen und relativ schnell im „Tap Room“ hängen geblieben.

Der Raum ist schmal, im vorderen Teil liegt rechts die Bar, links davon ist nur Platz für eine Stehreihe. Im zweiten Raumteil stehen Tische vor einer Wand die mit Werbung beklebt ist. Davor stehen oder sitzen die Musiker. Hinter der Bühne geht es weiter, vermutlich zu den Restrooms. Als ich eintrat, spielte die Band gerade einen Blues – offenbar schon im zweiten Abschnitt, in dem der Mundharmonikaspieler und Sänger sein Solo hatte. Rechts außen ein dicker Typ am Bass, links davon der Drummer, davor saß der Gitarrist, der einzige Weiße in der Band. Der Zeremonienmeister, Sänger, Harpist wechselte zwischen Stuhl und Stehen – das Mikrofon hatte er in der Hand und da er darüber auch die Harmonika spielte, hatte seine Stimme immer diesen speziell verzerrten Klang. Leicht versetzt dahinter saß der Pianist an einem E-Piano. Sie nannten ihn Short-Cut. Irgendwann stand er mal kurz auf und war ca. 1,95 groß. Auf der linken Seite standen die Bläser – als ich ankam, waren es zwei Saxophonisten. Später kam noch ein junger Posaunist dazu.

Alles funktionierte ganz einfach. Die Band verständigte sich kurz, was als nächstes gespielt werden sollte und legte los. Jeder wußte, was er zu tun hatte – man gab sich lässig den Einsatz zum Solo oder Chorus und freute sich, wenn jemand ein paar Scheine in den weißen Eimer am rechten Bühnenrand warf. Wie schon in Nashville hat mich der natürliche Zustand begeistert, in dem hier einfach ein paar Leute zusammenkommen, um Musik zu machen. Ich gehe davon aus, dass das nicht (nur) wegen der mehr oder weniger zufällig anwesenden Touristen passiert, sondern weil in der Stadt viele Musiker leben, die abends was zu tun und ihren Spaß haben wollen. Und alle anderen, ob sie nun bei Gibson Gitarren zusammenbauen, in Graceland Andenken verkaufen oder im Sun Studio die Mikrofone aufstellen, wollen ja auch ihre Abendunterhaltung haben. Da wäre es doch eine echte Verschwendung, sich die Zeit nicht genau auf diese Weise zu vertreiben.

Später habe ich dann noch nachgeschaut, ob in einem der anderen Läden was los war. Im Rum Boogie Café wollte ein Typ an der Tür erstmal 3 Dollar haben – da gerade keine Band gespielt hat, habe ich verzichtet.

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